Günthers Fabrik

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In einem Dorf in der Nähe von Nürnberg bin ich vor kurzem durch einen Tipp auf eine verlassene Düngerfabrik gestoßen. Die ältesten Gebäude auf dem Gelände stammen aus dem Jahr 1939 und waren Teil einer Ziegelfabrik. Nach ihrer Schließung zog Günther auf das Gelände und stellte hier bis zum Jahr 2007 Dünger für Pflanzen aller Art her. Seit nun 7 Jahren ist das Gelände verlassen. Die Gebäude verfallen, Kinder und Jugendliche kommen zu randalieren, der ein oder andere auch zum malen, es finden Paintball Kämpfe statt und ab und zu trifft man einen Fotografen.

Hier ein paar Fotos aus dem Jahr 2013. Weiterlesen

Nürnberg baut nen Tunnel

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Wie ja allgemein bekannt wird momentan die U3 richtung Nordklinikum verlängert. Der dritte Bauabschnitt der U3 hat eine Länge von 1,1 Kilometern. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 83 Millionen €. Ein teurer,  aber dafür immerhin sehr eindrucksvoller Spaß.

Die Bauarbeiten sind nun seit einiger Zeit im vollen Gange. Alle Tunnel sind gebohrt, die Bahnhöfe nehmen langsam Gestalt an und der Innenausbau läuft auf vollen Touren. Bis Anfang 2015 soll der Rohbau stehen und 2017 der neue Abschnitt in Betrieb gehen.

Doch wie schaut es da unten eigentlich aus?

Am Wochenende hatte ich nun endlich mal die Gelegenheit den neuen Abschnitt der U3 etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und diese Frage zu beantworten. Fazit: Ziemlich abgefahren und sehr beeindruckend.

 

Hier mein Bericht.

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Autos und anderer Sondermüll

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Vor kurzem bin ich über eine stillgelegte Sondermüllverbrennungsanlage in der nähe von Nürnberg gestolpert. Anders als die bisherigen hier im Blog vorgestellten Anlagen, war diese aber über viele Jahre in Betrieb. Trotz vieler Störfälle und Unfälle mit Verletzten und sogar Toten, war der Grund für die Stilllegung der Anlage im Jahre 2005 eher banal. Unwirtschaftlichkeit.

Auf dem Grundstück der Anlage befindet sich auch eine Sondermülldeponie in der seit 1968, 1,7 Millionen Tonnen Giftmüll eingelagert wurden. Diese ist seit Jahren undicht und verseucht den Boden.

Die Anlage befindet sich neben einem Wohngebiet mit etwa 6000 Einwohnern.

Was nach der Stilllegung bleibt ist ein riesiges verseuchtes Areal mit Tonnen von giftigen Sondermüll, in direkter Nachbarschaft zu einem Wohngebiet. Eine tickende Zeitbombe deren Entsorgung bzw Entschärfung Unsummen kosten wird.

Die Szenerie die sich mir vor einigen Wochen dort bot, war surreal. Auf dem Gelände befinden sich nach wie vor Berge von Müll, die seit Jahren unter freiem Himmel vor sich hin gammeln. Einige Gebäude sind teilweise eingerissen, die Keller füllen sich mit Wasser,  über das gesamte Areal sind Autowracks verstreut, die Einrichtung in den Gebäuden ist nach wie vor vorhanden und der Strom auch noch an. Bei meinem Streifzug über das Gelände hatte ich den Eindruck in einem Endzeitfilm zu sein. Abgefahren dieses Gelände.

Hier ein paar Fotos.

 

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Fürths neue Mitte

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Fürths neue Mitte ist ein Krater. An Stelle von Fiedler, Parkhotel, Festsaal, Kino und dem Wölfel Areal tut sich im Herzen von Fürth gerade eine große Baugrube auf. Wenig erinnert an das was hier mal stand. 2 Wände des alten Festsaals sind alles was geblieben ist. Weder Denkmalschutz, eine laufende Petition gegen den Abriss, Gutachten und Aussagen von Experten noch die Einstufung durch das Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, For­schung und Kunst als Oberste Denk­mal­schutzbehörde, dass der Abriss rechtswidrig sein, konnten die Koalition der Willigen vom Abriss abhalten.
Dem Investor wurden so gut wie keine Auflagen, was dem Umgang mit den Bestandsgebäuden angeht gemacht und so konnte sich dieser auch austoben.
Fürth verliert dadurch wieder ein Stück von seinem Gesicht und bekommt dafür einen austauschbaren Bürobau mit ein paar Läden drin, die es in Fürth eh schon gibt.

Anfang 2013 begannen die Abrissarbeiten um Platz für die Neue Mitte zu schaffen.

Ich habe den Abriss mit meiner Kamera begleitet und versucht ihn so gut wie möglich zu dokumentieren.

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Die Müll-Schwelbrennanlage in Fürth -Update2014-

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Millionen Grab und Hightech Ruine, die Müll-Schwelbrennanlage (kurz: SBA) im Fürther Hafen.

Nach nur einem Jahr in Betrieb wurde sie 1998 stillgelegt und blickt heute in eine ungewisse Zukunft.

Begonnen hat alles 1985 mit dem Angebot von Siemens an Fürth kostenlos eine Versuchsanlage  zur Müllverschwelung zu bauen.

Fürth sagte zu, die Planungen begannen und 1990 schätze man noch das die Gesamtkosten für das Projekt sich auf 32 Millionen DM belaufen werden würden. 1995 waren es dann schon 66 Millionen DM und zum Schluss hatte das Projekt stolze 125 Millionen €  (!!!)  verschlugen.

Das Projekt war von Anfang an in der  Öffentlichkeit sehr  umstritten vor allem wegen hochgiftiger Schwelgase die beim Betrieb entstanden.

Der Bund Naturschutz hielt der SBA gemeinsam mit dem “Müll und Umwelt e.V.” ein alternatives Abfallkonzept entgegen. Breite Unterstützung kam aus weiten Kreisen der Bevölkerung, es fanden mehrere Demonstrationen statt und 1993 wurden 27.000 Einwendungen gegen die SBA abgegeben. In einer neuntägigen Anhörung im Nürnberger Messezentrum wurde dann das alternative Müllkonzept vorgetragen. Nach Baubeginn klagten fünf Betroffene gegen den Bescheid, als noch während der Bauphase 1995 eine Privatisierung ins Gespräch kam, wurde in Fürth erstmals ein Bürgerbegehren gestartet, dass schließlich knapp mit 49% zu 51 % scheiterte.

Im September 1994 wurde dann mit den Bauarbeiten begonnen, die Anlage noch vor in Inbetriebnahme privatisiert und an die Stromkonzern-Tochter UTM GmbH veräußert.

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img112Die SBA im Bau

Fertig gestellt und in Betrieb genommen wurde die Anlage 1997. Rund lief sie aber selbst zu Beginn nicht. Die Anlage war extrem Störanfällig um man hatte ständig mit Materialstau, Sofwarestörungen und Schwelgasfreisetzung  zu kämpfen. Eine normaler Betrieb war nicht möglich.

Besorgte Anwohner gründeten die Aktion “Bürger beobachten die Schwel-Brenn-Anlage” welche all diese Zwischenfälle  dokumentierte.

Die vielen Probleme und Störungen führten dazu das die Anlage 1998 nochmals umgebaut und nachgebessert wurde.

Im August 1998 kamm es dann bei einem Probelauf zu dem entscheidenden Störfall welcher das Aus für die Anlage bedeuten sollte. Weiterlesen

Thermoselect Anlage

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Das neue Müllverbrennungsverfahren Thermoselect soll allen herkömmlichen weit überlegen sein. “Die vollständige Umwandlung der Abfälle in Energie und Rohstoffe, gleichzeitig eine drastische Minderung von Emissionen, das alles in kleinen, kostengünstigen Anlagen. Das Prinzip ist einfach: Der Müll wird unter hohem Druck in Ballen gepresst und erhitzt, das dabei entweichende Gas zum weiteren Aufheizen genutzt. Bei einer Hitze von 1 200 Grad Celsius werden entstehende Dioxine und Furane fast restlos zerstört. Auf dem Höhepunkt der Prozesstemperatur, bei 2 000 Grad Celsius, fließen die übrigbleibenden Mineralstoffe und Metalle als Schlacke ab. Es entsteht ein glasartiges Granulat, das im Straßenbau verwendet werden kann. Allerdings ist zur Zeit nicht absehbar, ob die politischen Gremien dem zustimmen werden. In Karlsruhe hingegen steht dem Baubeginn nichts mehr im Wege; selbst eine Klage der Grünen wegen technischer Details hat zunächst keine aufschiebende Wirkung….

In den 90er Jahren wurde die Anlage als technisches Meisterwerk, Wunder und Ei des Columbus gefeiert, als Superofen, der die Luft nicht verpestet, der Müllhalden in Rohstoffberge verwandelte und nebenbei noch ganze Siedlungen beheizen konnte.

Die erste ihrer Art in Deutschland wurde in Karlsruhe hochgezogen. Mit dem Bau einer zweiten wurde kurz darauf Anfang 2000 in Ansbach begonnen.

Wie so oft kam es aber anders als es die verantwortlichen Lobbyisten und Politiker versprochen und erhofft hatten. Verbrannt wurde vor allem viel Geld. Thermoselect ist pleite. Die Anlage in Karlsruhe wurde nach unzählgen Pannen stillgelegt und die in Ansbach niemals fertig gestellt.

Nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Pilotanlage in Karlsruhe kam es dort immer wieder zu massiven Problemen. Die Technik war alles andere als ausgereift und funktionsfähig. Deshalb verzögerte sich auch der Bau in Ansbach. Nach vielen Streitereien stellte die Schweizer Firma 2002 die Arbeiten auf der Baustelle ein und kündigte im darauf folgenden Jahr den Vertrag mit Auftraggeber TAE, der Thermischen Abfallentsorgung Ansbach. Thermoselect und TAE verklagten sich ab dem Jahr 2004 gegenseitig. Weiterlesen

Abschied vom Schwesternwohnheim

Schwesternwohnheim Nürnberg (31)

Vor dreieinhalb Jahren begann ich mit meinem Blog Gesichter der Stadt. In einem meiner ersten Beiträge stellte ich das Schwesternwohnheim am Nordklinikum vor.

Das 33 Meter und 11 Stockwerke hohe Gebäude steht seit 2002 leer. Tot war es in den letzten Jahren dennoch nie. Generationen an Jugendlichen haben sich hier ausgetobt, ihren Frust abgelassen, Partys gefeiert und sich in der Kunst des Sprayens versucht. Über einige Monate hinweg war das Gebäude besetzt, später übten Polizei und Feuerwehr hier. Türen wurden eintreten, gesprengt, Fenster und Wände einschlagen. Es war laut und wild, genauso wie die Geschichte des Gebäudes. 1956 wurde es bezogen und war für lange Zeit das Zuhause zahlreicher Krankenschwestern in Ausbildung und Zivis. 250 Menschen lebten hier zusammen, 200 davon weiblich. Mythen und Gerüchte drehen sich um legendäre Feiern und das Wohnheimleben.

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Hotel Deutscher Hof

Hotel Deutscher Hof NBG (29)

Dem Hotel Deutscher Hof wird neues Leben eingehaucht. Seit Jahren stand es leer und verfiel zusehends. Es wurde oft über dessen Abriss gestritten und gerungen und all zu oft sah es nicht gut aus für das Haus.

Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich und gehört schon seit 1912 zum Bild der Stadt.

Errichtet wurde das Gebäude vom Verein Lehrerheim nach den Plänen des Architekten Hans Müller. Der Gebäudekomplex lässt sich in 2 Teile gliedern. Einmal den Teil in dem das Hotel untergebracht ist und den Teil der vor allem von 2 Großen Festsälen, dem Lessingtheater und dem Renaissance Saal, dominiert wird.

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Frohes neues Jahr

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Ein frohes neues Jahr an alle. Nach einem Jahr Pause geht es im neuen Jahr hier wieder weiter. Viel ist geschehen in den letzten Monaten. Ich war viel unterwegs und habe eine Menge erlebt und gesehen. Die Stadt hat ihren Turbolader angeschmissen und erlebt seitdem einen Bauboom wie es ihn schon lange nicht gab. Viele einst über Jahre leer stehende Gebäude sind entweder verschwunden oder werden saniert. Auch für dieses Jahr steht eine Menge an. Das Schwesternwohnheim wird abgerissen, Deutscher Hof, das Straßenbahdepot in Muggenhof, der Postrundbau und das Tiergarten Hotel (Hotel Girgl) werden saniert, Baulücken geschlossen und Jahrzehnte alte Brachen bebaut. Ich werde in den kommenden Monaten versuchen die aktuelle Entwicklung in der Stadt zu dokumentieren, über meine Streifzüge und Entdeckungen der letzten Monate schreiben und Einblicke hinter die Kulissen der Stadt geben.

Ich möchte mich hier auch für die zahlreichen Emails der letzten Monate bedanken. An alle die immer wieder nachgehakt haben wann und ob es hier mal wieder was neues geben wird. Danke für die vielen positiven und netten Nachrichten.

Beste Grüße

Danko

Modehaus Fiedler

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1866 begann in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße in Fürth die Geschichte des Modehauses Fiedler.

Mit 300 Gulden, die sich die Firmengründerin Katharina Wipplinger beim Pfarrer  geliehen hatte, gründete sie in einem Hinterzimmer in der Straße ihr Geschäft.

Die Geschäfte liefen gut. Nach nur einem Jahr zog sie bereits in größere Räume in der Weinstraße 7 neben dem heutigen Parkhotel um.

Etwa zur gleichen Zeit lernte Frau Wipplinger den Händler Hermann Fiedler kennen. Aus der zunächst geschäftlichen Beziehung entwickelte sich schnell eine Liebesbeziehung und die beiden heirateten 1874.

Das Unternehmen entwickelte sich weiter und wuchs. Diverse weitere Umzüge folgten bis 1890 das Eckhaus in der Weinstraße 9 gekauft wurde.

Dieses wurde später als Modehaus Fiedler bekannt und stellte den letzten Standort bis zur Schließung dar.

Seit dem wurde das einst klassizistische Doppelhaus von 1837 immer wieder um- und ausgebaut und veränderte oft sein Gesicht.

Das Gebäude um 1900

Fieder_um_1900 Weiterlesen

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