Straßenbahndepot Muggenhof

Das Straßenbahndepot in Muggenhof diente seit 1913 der Nürnberger-Fürther Straßenbahn und der VAG als Hauptwerkstatt und wurde im Jahr 2003 aufgelöst. Seit dem stehen die größtenteils unter Denkmalschutz stehenden Gebäude leer und warten auf eine neue Nutzung.

Mit der Elektrifizierung 1896 entwickelte sich Nürnbergs Straßenbahnnetz rapide. 1903 wurde das bisher private Straßenbahn Unternehmen von der Stadt gekauft und massiv ausgebaut. Innerhalb von 10 Jahren wuchs das Schienennetz von 50 auf über 120 km und über 300 neue Wagen wurden angeschafft. Durch dieses rapide Wachstum wurde das damalige Hauptwerk in der Fürtherstrasse schnell zu klein.

Um den immer größer werdenden  Wartungsaufwand bewältigen zu können mussten neue Werkstätten her. Ein Grundstück in der Fuchsstraße wurde gekauft und 1912 bereits mit dem Bau begonnen. Im selben Jahr konnten Werkstatttrakt und Lagerhalle bezogen werden. 1913 waren die Bauarbeiten abgeschlossen.

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In den neuen Gebäuden waren nun Schreinerei, Lackiererei, Montagehalle, Dreherei und Schmiede Schlosser-, Mechanische- und Elektromechanische Werkstätten, eine Gießerei, eine Ankerwicklerei, sowie ein Straßenbahnmuseum mit sämtlichen je verwendeten Fahrscheinen, Gleisen, Uniformen und anderen Exponaten untergebracht.

Die Schließung des Nebenwerks in Luitpoldhain, durch die Bauarbeiten am Reichsparteitagsgelände erforderte ab 1935 weitere Baumaßnahmen in der Fuchsstraße. Es wurde eine große Wagenabstellhalle aus Holz errichtet, welche nun mit den alten Abstellanlagen Platz für 110 wagen bot. Zudem gab es eine rundum Erneuerung des Maschienenbestandes, Telefonanlagen wurden errichtet sowie ein neues Holzlagers.

Am 16.April 1945 wurde der Betrieb durch die immer näher vorrückende Front eingestellt.

Das Straßenbahndepot 1944

Den Krieg überstanden die Werkstätten relativ gut. Bomben fielen aufgrund der nähe zu Fürth nicht auf das Gelände. Nur Granaten und Patronen verursachten kleinere Schäden an den Gebäuden.

Noch heute sind diese im Wasser- und Glockenturm erhalten. Granatsplitter durchbohrten dort Holzträger, verbeulten  den Wassertank und zerstörten eine der Glocken. Die Spuren die sie dabei hinterließen bleiben stille Zeugen dieser Zeit.

Dank der geringen Schäden an den Gebäuden, konnte der Betrieb kurz nach dem Krieg wieder aufgenommen werden.

Durch die Modernisierung des Wagenbestandes ab 1955 und die Anschaffung von Großraumwägen wurde es wieder eng auf dem Gelände.

Ab 1959 entstanden auf dem hinteren Teil des Geländes neue Hallen.

Bau der neuen Hallen 1959

In den Neubau zogen bereits im Oktober 1959 die Schreinerei und die Lackiererei.

1978 erhielten die Mitarbeiter auf dem Gelände dann noch eine neue Kantine.

Der Ausbau der Ubahn, der Bau der neuen U-Bahnwerkstatt Langwasser, steigende Personal und Betriebskosten führten in den folgenden Jahren zu Personal Reduzierungen und Einsparungen. Mit dem Bau der neuen Schwerpunktwerkstatt Süd 2001 leerten sich die Werkstätten in der Fuchsstraße noch mehr.

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2003 war dann endgültig Schluss, die Letzten Wägen wurden herausgefahren und die Maschinen in den Werkstätten ausgebaut. Wer mehr über die Geschichte des Depots erfahren möchte sollte unbedingt auf Geschichtsspuren.de vorbeischauen. Hier gibt es einen sehr informativen und umfangreichen Artikel über das Areal und dessen Geschichte. LINK

Nach über 10 Jahren Leerstand und Ungewissheit über Zukunft und Nutzung des Areals, kaufte im Jahr 2013 der Fürther Immobilienentwickler P&P das Gelände und gab bekannt die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu sanieren.

Hier werden in den kommenden Jahren exklusive Loftwohnungen entstehen. Die nicht unter Denkmalschutz stehenden Hallen auf dem hinteren Teil des Geländes werden dagegen abgerissen und Neubauten Platz machen.

Für den Umbau der Gebäude wurde das Nürnberger Architekturbüro Querwärts beauftragt und hat auch schon erste Entwürfe veröffentlicht:

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Quelle

In den letzten Jahren hatte ich immer wieder die Möglichkeit die Gebäude und das Gelände zu erkunden. Dabei wurde ich von einem VAG Mitarbeiter begleitet der eine Menge spannende Geschichten und Infos zu dem Gebäude zu erzählen hatte und sich sehr viel Zeit für die Führung genommen hat. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal Herzlich bei Herrn Ahl sowie bei der WBG für diese Möglichkeit und die Führung bedanken.

Die folgenden Bilder entstanden in der Zeit zwischen 2010 und 2013.

Fahrzeug-/Montagehalle 1912 (unter Denkmalschutz, bleibt erhalten)

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Alleine hier arbeiteten früher bis zu 100 Menschen gleichzeitig an den Zügen. Ganze Wägen wurden hier zerlegt und später wieder zusammengebaut.

Es dauerte etwa 5 Monate um einen Wagen rundum zu erneuern, in dieser Zeit wurde er komplett zerlegt, gesäubert, repariert, neu lackiert und wieder zusammengebaut. Verließ er nach diesem Durchlauf das Werk war er so gut wie neu.

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Wasserturm, Verwaltungs- und Lagergebäude 1912 (Denkmalschutz, bleibt erhalten)

In dem Gebäudekomplex der sich an die alten Hallen anschließt, befanden sich Verwaltungsbüros, weitere Werkstätten, Technikräume, Lager sowie ein paar Mitarbeiterwohungen.

Das Highlight hier ist der etwa 50 Meter hohe Wasserturm. In ihm befindet sich neben einem ziemlich großen Wassertank auch ein Glockenspiel, 4 große Uhren sowie oben an der Spitze ein Raum mit einem ziemlich guten Ausblick auf Nürnberg.

Zunächst geht es über ein massives Treppenhaus bis auf den Dachboden des Verwaltungs- und Werkstätten-Gebäudes. Von dort aus wird der Aufstieg immer enger und steiler. So gelangt man über schmale Holztreppen bis auf die Etage auf  der sich der Wassertank befindet. Er ist etwa 4 Meter hoch und lässt durch seinen großen  Radius nur wenig Platz um an ihm vorbei zu kommen.

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Früher gönnten sich hier im Sommer die Lehrlinge immer wieder ein Abkühlungsbad. Das sich dabei vom Meister erwischen lassen wurde von diesem mit einer Schellen belohnt…

Von hier geht es nur noch über schmale Sprossenleitern weiter nach oben.

Auf der Ebene über dem Wassertank befinden sich die Uhren und das Uhrwerk. Drei der 4 Uhren wurden zwar vor einiger Zeit mit neuen elektrischen Motoren ausgestattet, die alte Mechanik mit der sie einst betrieben wurden ist aber nach wie vor erhalten.

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Auf der obersten Etage befinden sich 2 große Glocken die früher alle 15 Minuten  läuteten. Eine von ihnen ist noch aus dem Jahr der Errichtung des Turms erhalten. Die andere eine Nachbildung aus den 50ger Jahren, da das zweite Original im Krieg zerstört wurde.Von hier aus hat man dann die Möglichkeit den Ausblick zu genießen und weit ins Land zu schauen.

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Neubau von 1959 (kein Denkmalschutz, wird abgerissen)

Untergebracht waren hier vor allem Schreinerei und die Lackiererei.

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Wagenabstellhalle1933 (kein Denkmalschutz, wird abgebrochen)

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Gelände & Fassaden

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Noch mehr Bilder gibt es Hier

Beste Grüße

Danko

Quellen Text Anfang

Nürnberg Infos

Herr Ahl 😀

Bücher

Bild und Erinnerung – Nürnberger Luftaufnahmen 1944 Verlag Hans Carl

Nürnberg von oben – Luftbilder damals und heute Emons Verlag

Danke Nochmals an Herrn Ahl und die WBG

Links
Blogpost Sugar Ray Banister

P&P Gruppe Projekt Bekanngabe

Artikel Geschichtsspuren.de

5 Gedanken zu “Straßenbahndepot Muggenhof

  1. Absolut beeindruckende und wunderbare Bilder! Wir sehen den schönen Turm von unserer Wohnung in Schniegling aus, und ich habe mich schon so oft gefragt ob man da mal wieder reinkommt. Wie hast Du das nur geschafft? Ganz toll und bitte weiter so, diese Bilder ganz wichtige Zeugen von vergangenen Zeiten!

  2. Vielen Dank freut mich sehr das zu hören 😀
    @Thomas S
    Ich habe sehr sehr viel herumtelefoniert bis ich dann bei der WBG endlich den richtigen Ansprechpartner gefunden habe. Stadt und VAG sind da etwas verpeilt und wussten nicht wer eigentlich dafür zuständig ist 😉

  3. Du hast jemande ngefunden der sich zuständig fühlte??? Spitze deine Bilder sind der Wahnsinn!!!! Ich habs per Email versucht aber nie wieder eine Antwort von der VAG bekommen! Vielleicht geht ja mal was zusammen zum gemeinsam Bilder machen gehen?
    Liebe Grüße
    Kathi

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