Neue unbekannte Welt

Als mich im Sommer 2014 mein Freund Pyka zum wiederholten male frage ob ich ihn bei einer seiner Expeditionen in ein verlassenes Bergwerk begleiten wolle, konnte ich nicht mehr nein sagen. Zu oft hatte ich schon gekniffen und seine Angebote ausgeschlagen. Die Vorstellung mich in ein seit Jahrzehnten verlassenes Bergwerk abzuseilen fand ich damals noch ziemlich abschreckend. In meinem Kopf erzeugten die Vorstellungen von engen Löchern durch die man sich quetschen muss, Dunkelheit, Kälte, Schlamm, eine unsichtbare und ständig begleitete Gefahr von Steinen die einem zu jeder Zeit auf den Kopf fallen können, Angstperlen auf der Stirn . Ebenfalls damals für mich abschreckend die Gewissheit von der Außenwelt komplett abgeschnitten zu sein. Hat man doch zumindest Übertage die Möglichkeit im Falle eines Notfalls (sprich wenn man Blödsinn baut oder sich doof anstellt) Hilfe zu holen.

Naja wie dem auch sein. Im August 2014 war es dann endlich soweit, ich zeigte meinen Zweifeln, Ängsten und Phobien den Mittelfinger, schnappte meine Kamera und fuhr mit Pyka mit.

Wir machten uns auf den Weg zu einer unterirdischen Rüstungsfabrik aus dem 2. Weltkrieg. Die Anlage wurde getarnt in einem bestehenden Schieferbergwerk untertage angelegt. Hierfür wurden damals die schon bestehenden Abbaukammern und Stollen ausgebaut und vergrößert. Ganze Züge fuhren hier damals ein und aus. Die großen Hallen waren komplett ausgebaut und bis zu 40 Meter hoch. Nach Ende des Krieges wurden die Anlagen untertage gesprengt und alle Zugänge verschlossen. Mythen und Gerüchte über das Objekt und seine verborgenen Geheimnisse kursieren seit je her.

 

Vor Ort angekommen hatten wir zunächst einen langen abstieg in einen alten Tagebau vor uns. Vorbei an zugewachsenen Überresten von Produktionsanlagen und Gebäuden geht es etwa 300 Meter entlang von steilen Hängen in die Tiefe.

Der Tagebau ist schon seit vielen Jahrzehnten sich selbst überlassen und an vielen Stellen verschwinden die Spuren menschlicher Tätigkeit unter einem dichten Grün. Das Gefühl gerade eine  neue unbekannte Welt zu betreten verfestigt sich mit der Zeit immer mehr.

Über eine kleine verstecke Spalte am Boden des Tagebaus gelangten wir in einen der vielen Stollen der Anlage. Hier geht es dann über einen Verbruch im Stollen weiter in die alten Hallen der Fabrik bzw das was von ihnen nach zahlreichen Explosionen und Jahrzehnten des Leerstandes und Verfalls noch übrig ist.

Was einen hier unten erwartet ist schwer zu beschreiben und es ist etwas was ich vorher mir nie hätte vorstellen können. Ein Labyrinth aus Gängen und Kammern teilweise so hoch wie Hochhäuser gefüllt mit Trümmern, teilweise verbrochen und geflutet. Verbogene und zerfetzte Stahlkonstruktionen, Betonsäulen und Decken formen zusammen mit herausgebrochenem Gestein abstrakte und faszinierende Skulpturen. Absolute Dunkelheit und Stille die nur ab und zu von Tropfgeräuschen eindringenden Wassers gestört wird. Man fühlt sich wie auf einem fremden Planeten, eine unbekannte Welt für die man bisher keine Referenz Objekte im Kopf hat, alles ist abstrakt und selbst die Zeit scheint hier anders zu vergehen als an der Erboberfläche.

 

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Der Trip wurde zum Auftakt von einer ganzen Reihe an Erkundungen und Fotoprojekten Untertage die hier in der Zukunft vorgestellt werden.

Die gezeigten Fotos entstanden in Teamarbeit zusammen mit Alexander Pyka.

Kamera Canon 5d Mark II

Auf meinem neuen Instagram Account kann zudem jeder bei Interesse schon mal einen kleinen Überblick über die bevorstehenden Artikel bekommen. Hier poste ich auch regelmäßig Bilder von aktuellen Expeditionen und Reisen.

instagram.com/dankogreen/

Beste Grüße

Danko

Flickr Fotoset

Fotos: Alex Pyka & Jonathan Danko Kielkowski

 

 

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