Zucker Bär

Seit 1974 standen die Gebäude auf dem Zuckerbär Gelände leer. Wind, Wetter und Menschen setzten dem Gebäuden in den Jahren des Leerstands sehr zu. Die Natur hatte sich das Areal zurückerobert und einen Großteil der Gebäude verschlungen. Am Ende war die Verwüstung und Zerstörung soweit fortgeschritten, dass selbst der Erhalt der denkmalgeschützten Fabrikantenvilla aus dem Jahr 1887 mehr als fraglich schien.

Heute ist auf dem Gelände vom einstigen Chaos und der Zerstörung nichts mehr zu sehen. Zeit für eine Neuauflage.

Geschichte.

Bis 1913 residierten die Isis-Werke auf dem Gelände an der Rothenburgerstrasse. In der Fabrik wurden Jugendstil-Metallwaren hergestellt die sich ihrer Zeit zu begehrten und preisgekrönten Designobjekten gemausert haben. Die Entwürfe für die Objekte stammten von bekannten Jugendstilarchitekten und –designern wie Peter Behrens, Friedrich Adler und Joseph Maria Olbricht. Diese gingen damals auf dem Gelände und in der Fabrikantenvilla ein und aus. Die Objekte aus der Produktion der Isis Werke können heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg betrachtet werden.

Mit dem Ende des Jugendstils gingen die Isis Werke in den Konkurs und das Gelände wurde 1913 vom Ulmer Kontor Karl Bär gekauft. Dieser gründete hier die „Zuckerwarenfabrik Karl Bär“, kurz „Zucker-Bär“ und stellte zunächst karamellisierte Gewürzmischungen her, „richtige“ Süßigkeiten galten als Luxus und waren während des Ersten Weltkriegs fast unerschwinglich. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges erlebte die Süßwarenproduktion einen Aufschwung. Bär stellte Lebkuchen und Schokolade her und ließ sich für seine Lakritze Patente eintragen auf die er teilweise europaweite Monopol-Patente innehatte.. Der Begriff „Bärendreck“ (im Fränkischen „Bärndregg“) hat sich bis heute bewahrt.

Die Firma entwickelte sich bis zum Zweiten Weltkrieg sehr gut. Je nach Saison waren zwischen 70 und 170 Mitarbeiter in der Süßwarenfabrik beschäftigt, wobei jährlich knapp 4.000 Tonnen der verschiedensten Leckereien hergestellt wurden. Verkauft wurden die Produkte in den eigenen acht Filialen in Nürnberg, Würzburg und München, ebenso betrieb man einen Fabrikverkauf in der Rothenburger Straße.

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Im Laufe des zweiten Weltkrieges wurde das Zucker-Bär-Areal in Mitleidenschaft gezogen, jedoch von Bär wieder weitgehend aufgebaut. Karl Bär legte seinen Betrieb 1974 aus Altersgründen still und versuchte den Betrieb bis zu seinem Tod an einen seiner Konkurrenten zu verkaufen. Bis zuletzt hatte er die Hoffnung, dass hier irgendwann wieder die Produktion von Süßigkeiten wieder anlaufen würde. Die Maschinen und die Einrichtung wurden aufwändig eingemottet und konserviert.

Sein Erbe Karl L. Bär plante die Erhaltung und Nutzung der Gebäude als Kultur- und Kommunikationszentrum. Trotz gesicherter Finanzierung, konnte das Projekt nicht realisiert werden. Für diese Umnutzung hätte Karl L. Bär mehrere 10.000 Mark an den Staat abführen müssen, Geld das der Erbe nicht besaß.

So kam es, dass die Gebäude auf dem Gelände über Jahrzehnte leer standen und dem Verfall preisgegeben waren. Nach langem hin und her kam es dann im Jahr 2010 zur Zwangsversteigerung des Geländes. Den Zuschlag bekam die Fürther P&P und verpflichtete sich bei Kauf die zu diesem Zeitpunkt stark beschädigte und akut einsturzgefährdete Zuckerbär Villa zu sanieren.

Dies geschah dann auch in den folgenden Jahren. Die Villa wurde aufwendig saniert und beherbergt heute einige Büros. An Stelle der Fabrikgebäude entstanden hingegen neue Wohngebäude.

Ich habe das Gelände in den vergangenen Jahren oft besucht und die Veränderungen dokumentiert.

 

Jahre 2008 bis 2010.

Als ich das Gelände im Jahr 2008 das erste Mal betrat, war es komplett von Kletterpflanzen überwuchert. Viele der Gebäude ragten gerade noch so durch das dichte Grün und man hatte durchaus seine Mühe sich durch das Dickicht zu kämpfen. Die Fabrikanten Villa war durch Wind und Wetter sowie zahlreiche Brände stark beschädigt. Von den Fabrikgebäuden selber standen nur noch die Außenmauern. Es war ein wunderschön verwunschener Ort der mich sofort begeisterte. Man hatte hier nicht das Gefühl sich gerade in einer Großstadt zu befinden, sondern eher irgendwo im Dschungel auf den Spuren einer längst verlorenen Kultur…

2008 (Handy Fotos)

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2010

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Heute

Und heute? Die Villa erstrahlt wieder im neuen Glanz. Die Ruinen sind verschwunden und nichts erinnert mehr an das Chaos vergangener Tage. Allerdings leider auch nichts an die Geschichte dieses Ortes. Hinweise auf die Fabrik die hier mal stand, finden sich leider weder in der Architektur der Neubauten noch auf dem Gelände.

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Beste Grüße

Danko

Links und Quellen

Dankos Instagram

 Flickr Fotoalbum

Bekanntmachung P&P Gruppe

Industriekultur.de Bilder von 2007

Nürnberginfos.de Artikel Geschichte&Fotos

Forum Hidden Places Fotos von 2012

Industriezerfall.de Fotos von 2007

Das sogenannte Zucker-Bär-Areal lag aufgrund unklarer rechtlicher Verhältnisse fast zwei Jahrzehnte brach. Erst durch die von der Stadt auf Grundlage eigener Forderungen betriebene Einsetzung eines Notgeschäftsführers für die führungslose Eigentümer-GmbH konnte die Durchführung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens und damit ein Eigentümerwechsel auf den Weg gebracht werden. – See more at: http://www.denkmalschutz-blog.de/2010/05/zucker-bar-areal-weichen-endgultig-gestellt/#sthash.CXvwHC02.dpuf
Das sogenannte Zucker-Bär-Areal lag aufgrund unklarer rechtlicher Verhältnisse fast zwei Jahrzehnte brach. Erst durch die von der Stadt auf Grundlage eigener Forderungen betriebene Einsetzung eines Notgeschäftsführers für die führungslose Eigentümer-GmbH konnte die Durchführung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens und damit ein Eigentümerwechsel auf den Weg gebracht werden. – See more at: http://www.denkmalschutz-blog.de/2010/05/zucker-bar-areal-weichen-endgultig-gestellt/#sthash.CXvwHC02.dpuf

3 Gedanken zu “Zucker Bär

  1. Sehr klasse, das war einer meiner ersten Orte die ich besucht habe. Die alten Fotos sind spitze! Gibts mal wieder Updates? 😉

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