Müll-Schwelbrennanlage

Millionen Grab und Hightech Ruine, die Müll-Schwelbrennanlage (kurz: SBA) im Fürther Hafen.

Nach nur einem Jahr in Betrieb wurde sie 1998 stillgelegt und blickt heute in eine ungewisse Zukunft.

Begonnen hat alles 1985 mit dem Angebot von Siemens an Fürth kostenlos eine Versuchsanlage  zur Müllverschwelung zu bauen.

Fürth sagte zu, die Planungen begannen und 1990 schätze man noch das die Gesamtkosten für das Projekt sich auf 32 Millionen DM belaufen werden würden. 1995 waren es dann schon 66 Millionen DM und zum Schluss hatte das Projekt stolze 125 Millionen €  (!!!)  verschlugen.

Das Projekt war von Anfang an in der  Öffentlichkeit sehr  umstritten vor allem wegen hochgiftiger Schwelgase die beim Betrieb entstanden.

Der Bund Naturschutz hielt der SBA gemeinsam mit dem „Müll und Umwelt e.V.“ ein alternatives Abfallkonzept entgegen. Breite Unterstützung kam aus weiten Kreisen der Bevölkerung, es fanden mehrere Demonstrationen statt und 1993 wurden 27.000 Einwendungen gegen die SBA abgegeben. In einer neuntägigen Anhörung im Nürnberger Messezentrum wurde dann das alternative Müllkonzept vorgetragen. Nach Baubeginn klagten fünf Betroffene gegen den Bescheid, als noch während der Bauphase 1995 eine Privatisierung ins Gespräch kam, wurde in Fürth erstmals ein Bürgerbegehren gestartet, dass schließlich knapp mit 49% zu 51 % scheiterte.

Im September 1994 wurde dann mit den Bauarbeiten begonnen, die Anlage noch vor in Inbetriebnahme privatisiert und an die Stromkonzern-Tochter UTM GmbH veräußert.

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img112Die SBA im Bau

Fertig gestellt und in Betrieb genommen wurde die Anlage 1997. Rund lief sie aber selbst zu Beginn nicht. Die Anlage war extrem Störanfällig um man hatte ständig mit Materialstau, Sofwarestörungen und Schwelgasfreisetzung  zu kämpfen. Eine normaler Betrieb war nicht möglich.

Besorgte Anwohner gründeten die Aktion „Bürger beobachten die Schwel-Brenn-Anlage“ welche all diese Zwischenfälle  dokumentierte.

Die vielen Probleme und Störungen führten dazu das die Anlage 1998 nochmals umgebaut und nachgebessert wurde.

Im August 1998 kamm es dann bei einem Probelauf zu dem entscheidenden Störfall welcher das Aus für die Anlage bedeuten sollte.

Metallgeflechte im Müll führten zu einem Materialstau und zerstörten eine Schweltrommeldichtung, wodurch explosionsartig giftiges Schwelgas austrat  und 73 Personen verletzte ( Bericht ).

Danach wurde die Anlage nicht mehr Hochgefahren. Den größten Teil der Kosten für das Scheitern trug Siemens.

Durch eine Risikobeteiligung verloren aber auch die Stadt Fürth 4,4 Millionen € und  der Landkreis weitere 2,5 Millionen €.

1999 wurde die Anlage für einen Symbolischen Euro plus Grundstückskosten an den Bauunternehmer Günther Karl verkauft welcher in den Folgejahren Teile des Grundstückes sowie einige Maschinen aus dem inneren der Anlage weiterverkaufte.

Seit 2008 gehört die SBA der Max Aicher GmbH. Was mit ihr passieren soll ist derzeit nicht bekannt. Anfangs hatte die Max Aicher GmbH noch vor die Anlage selber abzuwracken. Kurz darauf bemühte man sich aber schon die Anlage wieder zu verkaufen und somit los zu werden.

Die Anlage selber ist heute noch größtenteils erhalten. Pförtnerhaus, Einfahrt, Schornsteine sowie einige Gerätschaften aus dem inneren sind zwar verschwunden dennoch wirkt die Anlage relativ unberührt.

Autos, Computer, Einrichtungsgegenstände und Nahrungsmittel im inneren zeugen davon das hier noch bis vor kurzem Menschen gearbeitet haben.

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img115Werbeprospekt für die SBA. Siemens versuchte damals die Anlage auch an andere europäische Länder zu verkaufen.

Im September 2011 hatte ich die Möglichkeit die Anlage zu erkunden und zu fotografieren und war ziemlich beeindruckt von diesem Gebäude.

Los ging es in dem Teil (C) der Anlage in dem der komplette Schwel und Stromerzeugungs Prozess ablief.

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Ein Stockwerk höher schlängelt sich ein Labyrinth aus Rohren, Tanks und Filtern bis zur Decke. Wir befinden uns hier in der größten Halle (C) in dem Gebäude. Vom Keller in 10 Meter tiefe geht es hier über 50 meter hoch. Decken, Gänge und Treppen sind hier nur mit Gittern belegt, was vor allem in den oberen Ebenen ganz reizvoll ist. So kann man an einigen wenigen Stellen von ganz oben bis runter in den Keller blicken. Insgesamt ist dieser Bereich aber ziemlich zugebaut und man bekommt nur an wenigen Stellen ein Gefühl für die tatsächliche größe der Halle.

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Halle E. Im Norden der Anlage und ein gutes Stück kleiner als Halle C. Hier befanden sich 2 größe Schornsteine die nach der Stillegung der Anlage abgerissen wurden. In der Fassade klaffen größe Löcher und zeugen so vom einstigen Standort der Schornsteine.

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Auf dem Dach. Auf 30 meter Höhe betritt man das Dach von Halle E und ein Stück höher auf 40 meter das von Halle C.

Hier hat man einen ziemlich coolen Blick auf das Umland.

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Nächste Station  der Müllbunker (B). Hier wurde der Müll verteilt, vorgepresst und anschließend von 4 großen Kränen auf die verschiedenen Förderbänder zum verbrennen verteilt. Die 2 großen Müllbunker in dieser Halle reichen bis in eine Tiefe von 25 metern und machen ziemlich Eindruck.

In der Mitte dieser Halle befindet sich ein zu 3 Seiten hin verglaster Raum von dem aus die Kräne gesteuert wurden und in dem noch einige der „Steuerstühle“ erhalten sind.

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Neben an befindet sich Halle A. Hier haben die Mülllaster ihre Ladung in die Müllbunker gekippt.

Die Halle wird heute von der Feuerwehr für Übungen genutzt.

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Zum Ende geht es dann noch auf Entdeckungstour in den Bürotrakt. Neben der kompletten Einrichtung findet man hier auch allerhand interessante Dinge. Baupläne der Anlage, Info-Broschüren, Propagandamaterial zum Thema SBA und viele alte Fotos. Absolut grandios.

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Der Kontrollraum

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Außenansichten

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Artikel hat am 17.02.2014 ein Update bekommen.

Noch mehr Fotos gibt es Hier

Danke fürs lesen

Und ganz besonderen Dank an Herrn Eisl und Herrn Geissler von der Max Aicher GmbH für die Fotogenehmigung und die Führung durch die Anlage.

Beste Grüße

Danko

Quellen und Textauszüge

Max Aicher GmbH

Frankenwiki

Das Bessere Müllkonzept

Opencatching Millionengrab the_diogenes

FN

7 Gedanken zu “Müll-Schwelbrennanlage

  1. Cooler Beitrag, vor Kurzem bin ich dort mit dem Fahrrad vorbeigefahren. Ende der 90er Jahre war ich Mal bei einer Siemensbesichtigung dabei und dort wurde auch über dieses gescheiterte Projekt gesprochen. Hätte nicht gedacht, dass das diese Anlage am Europakanal ist. Danke für den Beitrag

    1. Der wurde, so wie ich das sehe, dort „entsorgt“. Er steht dort schon seit einiger Zeit herum und rostet vor sich hin. Welche funktion er mal erfüllt hat und wer ihn dort angeladen hat, kann ich leider nicht sagen. Evtl weiß ja Jemand der Leser hier mehr?

  2. Das ganze Geheimnis warum in der Anlage rote Autos stehen ist, dann die Fürther Feuerwehr und andere Rettungsdienste diese als Übungsobjekt benutzen dürfen.

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