Modehaus Fiedler

1866 begann in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße in Fürth die Geschichte des Modehauses Fiedler.

Mit 300 Gulden, die sich die Firmengründerin Katharina Wipplinger beim Pfarrer  geliehen hatte, gründete sie in einem Hinterzimmer in der Straße ihr Geschäft.

Die Geschäfte liefen gut. Nach nur einem Jahr zog sie bereits in größere Räume in der Weinstraße 7 neben dem heutigen Parkhotel um.

Etwa zur gleichen Zeit lernte Frau Wipplinger den Händler Hermann Fiedler kennen. Aus der zunächst geschäftlichen Beziehung entwickelte sich schnell eine Liebesbeziehung und die beiden heirateten 1874.

Das Unternehmen entwickelte sich weiter und wuchs. Diverse weitere Umzüge folgten bis 1890 das Eckhaus in der Weinstraße 9 gekauft wurde.

Dieses wurde später als Modehaus Fiedler bekannt und stellte den letzten Standort bis zur Schließung dar.

Seit dem wurde das einst klassizistische Doppelhaus von 1837 immer wieder um- und ausgebaut und veränderte oft sein Gesicht.

Das Gebäude um 1900

Fieder_um_1900

Gasbeleuchtete Schaufenster entstanden, das Gebäude wurde aufgestockt, Geschäfts- und Verkaufsflächen wurden ausgebaut und um 1922 der Innenhof überdacht.

Mit den kurz danach gekauften angrenzenden Gebäuden die nun  mit einander verbunden wurden bildete der überdachte Innenhof den Mittelpunkt der Gebäude.

Innenhof um 1928

Verkaufsraum_mit_Lichthof_1928

Nach der Zwangspause während des Krieges folgten in den 50ger Jahren zwischen 53 und 55 erneut diesmal massive Umbaumaßnahmen.

Die Verzierungen an der Sandsteinfassade wurden abgeschlagen und der oben auf der Zeichnung sichtbare Erker abgebrochen.

Die Innenräume wurden komplett umgebaut und weitestgehend einheitlich gestaltet.

Die massiven Veränderungen an dem Gebäude und besonders die Zerstörung der früher einmal schön verziehrten Fassade fürthen dazu dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Ab 1964 wurden die Grundstücke Rudolf-Breitscheid-Straße 11 und 13 erworben.

Die Bestandsgebäude wurden abgebrochen und durch einen Neubau der mit dem Kaufhaus verbunden wurde ersetzt.

In der letzten Ausbaustufe erreichte das Kaufhaus in Fürth eine Verkaufsfläche von 2.800 qm.

2003 endete nach 137 Jahren die Geschichte des Kaufhauses in einer Insolvenz.

Die Stadt Fürth hat das Fiedler-Areal in einer Zwangsversteigerung gekauft, und es  gemeinsam mit dem Parkhotel und dem gegenüberliegendem Wölfelareal, für den Bau des Einkaufszentrums Neue Mitte an die MIB verkauft.

Zum 75. und 125. Jubiläum des Unternehmens ließ Fiedler ganz interessante Prospekte mit der Geschichte und einigen historischen Fotos drucken.

Wer mehr über das Familienunternehmen erfahren möchte kann hier durch den Prospekt zum 125. Jubiläum druchblättern.

Wie es momentan aussieht werden wohl im Früjahr die Abrissarbeiten losgehen.

Daher hab ich Anfang Dezember nochmal die Gelegenheit genutzt mich in dem Gebäude etwas umschauen und habe dabei ganz interessante Dinge entdeckt.

Das Kaufhaus ist vom Keller bis zum Dachgeschoss zugemüllt und vollgestopft mit altem Kram.

Einige von den Sachen die hier noch herumliegen vermitteln noch immer etwas vom Flair der vergangenen Jahre, erzählen spannende Geschichten und fesseln einen.

Teilweise findet man zwischen Bergen von Müll sogar noch ganz interessante Schätze.

Die nun folgenden Fotos entstanden am 1. Dezember

Danke an die Stadt Fürth und die MIB für die Genehmigung.

Der erste Anblick. Totales Chaos. Müllberge und Verwüstung auf den ehemaligen Verkaufsflächen.

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IMG_9385Dann, kurz darauf, Gähnende Leere

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IMG_9415Als nächstes geht es über über ein elegantes Treppenhaus aus den 50ger Jahren in den oberen Teil des Kaufhauses und anschließend zu den ehemaligen Werkstätten und Büroräumen.

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Die frühere Werkstatt

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IMG_9424Büroräume

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IMG_9533 In dem Teil des Kaufhauses sind bereits die meisten Räume leer geräumnt.

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IMG_9435Ziemlich interessant ist auch dieses Zimmer.

Irgendwann vor vielen Jahren wurde es mit alten Zeitungen tapeziert.

Als einer der Türrahmen herausgebrochen wurde kamen diese wieder an den Rändern unter den vielen darüberliegenden Tapentenschiochten zum Vorschein.

Zieht man etwas an der orangenen Tapete und löst sie so von der Wand, kommen unzählige Zeitunksartikel und Werbung vergangener Tage zum Vorschein.

Die meisten Zeitungen stammen aus der Zeit um 1916.

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IMG_9478Als nächstes geht es auf den Dachboden.

Hier steckt in einem Raum noch die Firmenflagge in einer Waschmaschine.

IMG_9488In einigen Zimmern finden sich noch interessante Gegenstände.

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IMG_9466Aber auch hier wurde schon viel leer geräumnt.

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Der Ausblick von oben.

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Das Parkhotel

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Über ein altes Treppenhaus geht es nun in den Keller

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Hier wird es unheimlich. Zwischen Bergen von Müll liegen zahlreiche Schaufensterpuppen Teile. Köpfe, Arme, Beine und Körper.

Wasser dringt durch die Decke und das Licht flackert.

Die Blicke der Puppen lassen einen fast nicht mehr los.

Im Dreck liegend, blicken die einst stolzen Puppen traurig in den Raum der immer mehr verfällt und vergammelt.

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IMG_9565Der Flur ist voll von ihnen

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IMG_0559Das Haus ist ziemlich am Ende. Überall dring Wasser ein und durch unzählige Umbaumasnahmen ist es entstellt bis fast zur Unkenntlichkeit.

Und dennoch lässt sich noch an vielen Stellen der Glanz vergangener Zeiten erahnen.

Die Anfänge, die 20ger, die 50ger, die 70ger und der Niedergang.

In den Zimmern und Räumen herscht eine unglaublich interessante und tolle  Atmosphäre.

Das Haus erzählt beim durchstreifen noch immer faszinierende Geschichten und lebt.

Doch das Ende ist absehbar.

Die Bagger werden bald anrollen und der Geschichte des Modehaus bald endgültig ein Ende versetzten.

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Wer noch mehr Fotos sehen mag kann das hier tun.

Beste Grüße

Danko

Links Quellen

125 Jahre Fiedler

Fürth Wiki

Alle Artikel zur neuen Mitte FN

16 Gedanken zu “Modehaus Fiedler

  1. WOW – sehr eindrucksvoll! Unglaublich intensive Bilder.
    Schön, dass Du diese Geschichte erzählst und fotografisch festhälst.
    Die Bilder erinnern mich auch an eine freie Arbeit von Gaby Zimmermann über die Künstlerateliers im verfallenen Hamburger Gängeviertel, die ich sehr mag.

  2. Eigentlich viel zu schade, die schönen Schaufensterpuppen zu verschrotten. Wieso wurden die denn zurückgelassen? Die hätte man doch noch wunderbar verkaufen können.

  3. Echtklasse diese Serie!
    Ich möchte gern wiessen wie mann findet solche ort, und wie mann kriegt die Genemigung um in zum fotographieren?!?
    (Wenn du eine Azubi brauchst, bin ich gern dabei! 😉 )

  4. Von der Schließung habe ich gehört, die Bilder der verlassenen Innenräume stimmten mich doch traurig. Ich absolvierte meine Ausbildung in der Firma von 1975-1978 und obwohl ich danach einen anderen beruflichen Weg einschlug ging ich jetzt in Gedanken durch die Räume und mir fielen Namen von Kolleginnen aus dem Verkauf, der Gardinennaeherei meiner innerbetrieblichen Ausbildungsleiterin, Begegnungen mit dem Chef und sogar Milla Fiedler ein.
    Auch Roland Fiedler ist mir aus seiner Anfangszeit, sein Vater war noch Chef , als Leiter der Firma ROFI bekannt. Tja so vergeht die Zeit. Wie es wohl anderen ehemaligen Mitarbeitern bei diesen Bildern geht?

  5. Es ist ein komisches Gefühl, die Räume zu sehen,überhaupt die Schneiderei. In der ich 11Jahre bis zum Schluß gearbeitet habe.

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