Tucher im August



Nun ist es soweit ein Kapitel neigt sich dem Ende. Die Abbrucharbeiten an der Tucherbrauerei in Nürnberg sind mittlerweile fast abgeschlossen.  Am 25.8.2011 um Punkt 15 Uhr wurde der Schornstein vor begeistertem Publikum gesprengt und so ist bis auf wenige Teile der Keller, dem Sudhaus und Wasserturm nichts mehr von der alter Brauerei übrig.

Fast 18 Monate beschäftigen mich diese alten Gebäude nun. 18 Monate in denen ich unzählige Stunden dort verbracht habe, hunderte von Fotos geschossen, viel erlebt und entdeckt und meine Höhenangst überwunden habe 🙂

Letzteres habe ich vor allem dem Wasserturm zu verdanken, denn um den herrlichen Ausblick von oben genießen zu können muss man erst ein paar Hürden überwinden.

Die höhe ist dabei gar nicht das größte Problem, sondern die Art wie man nach oben gelangt. Betritt man den Turm durch die Eingangstür steht man zuerst in einem ordentlich wirkenden und vertrauenerweckenden Treppenhaus, das bis auf die höhe des zweiten Stocks reicht. Oben am Ende der Treppe angekommen, erwartet einen eine dünne, rostige und steile Metallleiter, der auch noch die ersten Stufen fehlen da diese durchgebrochen sind. Auf wackligen Beinen und mit den Händen an das Geländer geklammert geht es so die nächsten 5-6 Meter in die höhe.

Durch eine geöffnete Luke in der Decke gelang man nun in den 3 Stock des Turmes.

Man steht auf festen Boden und ist von Wassertanks und Rohren, durch die sich der Rost von innen nach außen frisst, umgeben.

Tauben haben es sich hier gemütlich gemacht, und der Wind bläst durch die kaputten Fenster.

Ein Kuriosum hier ist aufjedenfall die massive Deckenluke. Diese wird durch eine flaschenzugartige Konstruktion, bei der Schrauben in einer Metalldose als Gewichte dienen und die über die darüber liegende und ebenfalls verrostete Treppe läuft, offengehalten.

Die Stockwerke darüber sind ähnlich aufgebaut, große Wassertanks, Rohre, dünne wacklige Leitern und viel Rost, nur die Böden unterscheiden sich hier massgeblich von dem im 3. Stock. Der Beton ist gewichen und man bewegt sich auf verzogenen und schiefen Brettern, welche lose auf darunterliegenden Stahlträgern liegen, fort. Diese wackeln bei jedem Schritt und machen Geräusche die einem den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Zudem ermöglichen einem die Lücken zwischen den Brettern einen schönen Blick auf die darunter liegenden Stockwerke.

Doch der Wille ganz oben aus dem Fenster blicken zu können ist groß und so geht es ganz langsam und vorsichtig weiter nach oben Brett für Brett, Stufe für Stufe.

Oben angekommen ist die Freude groß denn man wird mit einem wunderschönen Rundumblick auf Nürnberg belohnt, der trotz des wackligen Aufstiegs mich immer wieder nach oben lockt.


Vom Himmel unter die Erde, in die Keller um genau zu sein.

Der größte Teil des Areals war unterkellert, neben großen Hallen befanden sich hier viele kleinere Räume und Versorgungstunnel die Kreuz und quer über das Gelände liefen und alle Gebäude miteinander verbunden.

Die Versorgnungtunnel waren gerade so hoch das man gebückt durchlaufen konnte, wirkten schier unendlich und waren vollgepackt mit Rohren, Ventilen und allerhand anderem Gerät.

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Beim meinem letzten Besuch der Keller vor einigen Wochen, waren die Gebäude darüber bereits größtenteils abgebrochen. Durch Rohre, Schächte und eingestürzte Decken erhellte nun zum ersten Mal seit ihrer Erbauung vor über 120 Jahren, wieder Sonnenlicht die Räume und schaffte so eine spannende Kulisse zum fotografieren.

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Wie schon oben erwähnt wurde der Schornstein der alten Brauerei am 25.8.2011 gesprengt. 7,6 Kilo Sprengstoff brachten ihn mit lautem Getöse um genau 15 Uhr zu Fall. Da die NN ein Tag vorher die Meldung öffentlich machte, hatten sich viele Schaulustige zusammengefunden um das Spektakel zu sehen. Es gab sogar einen VIP Bereich, von dem man einen guten Blick auf das Geschehen hatte und die Sprengung bei klassischer Musik und Sekt mitverfolgen konnte. Na dann Prost.

Alle anderen mussten über die Zäune kucken. Das uns die Polizei in letzter Minute von unserem Platz verscheucht, hatte ich mit dem Filmen des Events leider weniger Glück, sodass ich an dieser Stelle lieber 2 Videos von anderen zeige, die mehr Glück hatten.  Eins von Bianco und eins von News5 aus dem VIP Bereich

Beim fotografieren vor der Sprengung hatte ich mehr Glück, ich konnte mich noch bis 14.40 Uhr auf dem Gelände frei bewegen und ein paar Letzte Abschiedsfotos machen.

Bevor ich diese aber zeige möchte ich 2 alte Fotos zeigen. Ein Foto zeigt in einer Luftaufnahme die Brauerei um 1921 in ihrer vollen Pracht und verschafft einem einen guten Überblick wie es hier an der Schillerstrasse vor dem Krieg aussah. Das zweite zeigt das selbe Areal von einer anderen Seite und wurde in den 50ger Jahren gemacht. Teile liegen noch in Trümmern, einiges ist verschwunden der Hauptteil der Brauerei hat den Krieg aber gut überstanden.

Fotos vom 25.08.2011

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Fotos der vorhergegangenen Wochen

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Mehr Fotos Hier und Hier

Eine Sammlung mit allen Alben zu Tucherbrauerei gibt es Hier

Und mehr Bilder vom Wasserturm Hier

Beste Grüße

Danko

4 Gedanken zu “Tucher im August

  1. Schöne Location, geniale Bilder und dazu noch eine spitzen Beschreibung.
    Lese deine Berichte immer wieder mit Begeisterung.
    Weiter so!

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