Sizilianische Verhältnisse

Wie letzte Woche bekannt wurde sind im Fall Tullnau 22 die Würfel endgültig gefallen. Familie Hirsch hat laut eigener Aussage den Druck seitens des Investors nicht mehr ausgehalten und beschlossen  aus dem Haus auszuziehen.(NN Bericht)

Der mit der EnviCon ausgemachte Übergabetermin für das Grundstück  ist bereits seit Mai verstrichen (Quelle EnviCon Mitarbeiter). Laut Aussage einiger am Projekt beteiligter Personen kostet somit jeder weitere Tag an dem das über 100 Jahre alte Haus steht und somit der Baubeginn weiter verzögert wird, den Investor Alfons Doblinger Geld. Daher wurde laut Bewohnern des Hauses der Druck auf sie immer weiter erhöht um diese zum Auszug zu bewegen. Abgestellte pumpen mit Folge eindringenden Wasser im Keller, ausfallende Heizungen, vor der Tür demonstrativ geparkte Umzugs LKW und viele andere Schikanen.

Nach dem Auszug von Familie Hirsch blieb als letzte Bewohnerin eine ältere Dame (um die 80) in ihrer kleinen Wohnung  im Erdgeschoss des Hauses. Sie wohnte zu diesem Zeitpunkt fast ihr gesamtes Leben in dem Haus

Damit auch sie sich nun schnell zum Auszug bewegen sollte, ließ die Dibag schon mal die Abrissarbeiten an dem Gebäude anlaufen.

Jep richtig. Obwohl noch eine Dame im Haus wohnte ließ man schon mal die Bagger rollen. Teile des Daches wurden entfernt, der Spitzgibel abgebrochen, alle Fenster bis auf die 4 der bewohnten Wohnung entfernt, die meisten Böden und Decken eingerissen. Bei meinem Besuch vor Ort bin ich zunächst erschrocken als ich die Dame in ihrer kalten Wohnung vorfand. Ich hatte nicht damit gerechnet das Haus zu diesem Zeitpunkt noch bewohnt vor zu finden. Sie erzählte mir dann unter Tränen dass „die hier“ (die Bauarbeiter die zu diesem Zeitpunkt vor Ort waren) ihr Haus abreisen und sie nicht ausziehen will. Sie sprach von ihrer Angst das Haus könnte in sich zusammen fallen, dem Lärm und der Kälte. Ich war in dem Moment sprach- und fassungslos. Mit sowas hätte ich in Deutschland, in Nürnberg, in meiner Stadt nie gerechnet.

Meiner Meinung nach eine unglaubliche miese und kaltherzige Aktion.

Geld frisst Hirn, frisst Herz.

 

 

 

Die folgenden Fotos  stammen von 21.07.2011

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Mehr Fotos hier

Beste Grüße

Danko

 

4 Gedanken zu “Sizilianische Verhältnisse

  1. Eine üble Geschichte! Wie ist sie weiter gegangen? Wurde die ältere Dame definitiv rausgeschmissen? – Bin ebenfalls an einer Doblinger-Geschichte – in Berlin, Lützowplatz… Dort halten noch 10 Mietparteien durch. Die Frage ist bloss, wie lange noch. Die Hälfte der Anlage wurde bereits 2008 abgebrochen…

    1. Jo wurde sie leider
      Sie hat noch eine Woche durchgehalten dann ist sie ausgezogen und das Haus wurde noch am gleichen Tag platt gemacht
      Ziemlich fiese Aktion wurde dann Tage später auch in der Lokalpresse angesprochen und sehr kritisiert…
      Dann drück ich mal den Leuten in Berlin die Daumen und hoff das sie noch lange durchhalten mögen 🙂
      Hast du noch irgendwelche infos zu der sache dort? Links Fotos ?
      Beste Grüße
      Danko

      1. Fotos könnte ich dir eine Auswahl hoch laden – sowohl vom Abbruch, wie zum aktuellen Zustand der noch bestehenden Häuser.

        Als Textinfo zu empfehlen ist ein Artikel auf der Website von Urbanophil:
        http://www.urbanophil.net/index.php/architektur/ein-letzter-blick-auf-ein-stuck-gebaute-utopie/

        sowie ein Artikel aus der taz zur letzten Gerichtsverhandlung Dibag contra Mieterschaft:
        http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2011%2F11%2F02%2Fa0153&cHash=84af8ff754

        herzlich
        Gabriela

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